Villa Tini: das Radebeuler Haus der Altistin Ernestine Schumann-Heink
Wer bei uns in der Meißner Straße 290 übernachtet, wohnt im früheren Zuhause einer der bekanntesten Opernsängerinnen um 1900. Ernestine Schumann-Heink, in Familie und Freundeskreis „Tini“ genannt, lebte hier ab 1899.
Von ihr hat das Haus seinen Namen. Damals gehörte das Grundstück noch zur selbstständigen Gemeinde Kötzschenbroda, die Adresse lautete Meißner Straße 1 E. Radebeul ist Kötzschenbroda erst 1935 geworden.
Gebaut von der Gage aus Amerika
1898 sang Schumann-Heink zum ersten Mal in Chicago. Im Jahr darauf debütierte sie an der Metropolitan Opera in New York, als Ortrud in Wagners „Lohengrin“. Mit dem Geld dieser ersten Amerikareise ließ sie um 1899 die Villa in Kötzschenbroda errichten, so ist es in der Familie überliefert. Wer die Pläne gezeichnet hat, wissen wir bis heute nicht. Falls Sie etwas über den Baumeister wissen, schreiben Sie uns gern.
Von der Dresdner Hofoper nach Hamburg
Geboren wurde sie am 15. Juni 1861 als Ernestine Rössler in Lieben, heute ein Stadtteil von Prag. Ihre erste Opernrolle sang sie am 13. Oktober 1878 an der Dresdner Hofoper, die Azucena in Verdis „Troubadour“, damals noch unter dem Namen Tini Rössler. In Dresden heiratete sie 1882 Ernst Heink, den Sekretär der Oper. Die Ehe verstieß gegen die Verträge der beiden, und die Hofoper entließ sie.
Ihren Durchbruch hatte sie in Hamburg, wo sie von 1883 bis 1897 engagiert war. Eine Carmen, die sie ohne Probe übernahm, machte sie dort bekannt. Später heiratete sie den Hamburger Schauspieler und Theaterdirektor Paul Schumann. Von 1896 bis 1914 stand sie regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen auf der Bühne.
Acht Kinder wuchsen in der Familie auf: vier aus der ersten Ehe, Walter, der Sohn Paul Schumanns, und drei gemeinsame Kinder. Einer davon, Ferdinand Schumann-Heink, spielte später in zahlreichen Hollywoodfilmen.
Warum Tini nach Amerika ging
Paul Schumann starb im November 1904. Ein halbes Jahr später heiratete Tini in Chicago William Rapp, der auch ihr Manager wurde. Ihr Leben spielte sich von da an vor allem in den USA ab, die Villa in Kötzschenbroda behielt sie trotzdem.
1909 kam sie noch einmal für eine Uraufführung an die Dresdner Hofoper zurück. Sie sang die Klytämnestra in „Elektra“ von Richard Strauss. Viel hielt sie von der Musik allerdings nicht, sie soll sie als fürchterlichen Lärm bezeichnet haben. An der Metropolitan Opera trat sie bis 1932 auf, ihre letzte Rolle dort war die Erda im „Ring des Nibelungen“. Mit 74 drehte sie noch den Musikfilm „Here's to Romance“. Ernestine Schumann-Heink starb am 17. November 1936 in Hollywood.
Ein Efeu vom Grab Richard Wagners
1929 überschrieb Tini die Villa ihrer ältesten Tochter, die in Leipzig lebte. Von ihr stammt der Efeu, der bis heute über Mauern und Bäume auf dem Grundstück wächst. Er soll ein Ableger vom Grab Richard Wagners in Bayreuth sein, wo ihre Mutter fast zwanzig Sommer lang gesungen hatte. Beweisen können wir das nicht. Glauben tun wir es gern.
Die Verbindung zur Familie ist nie ganz abgerissen. In der Wohnung Weinbergblick hatten wir schon eine Enkelin der Sängerin aus Amerika zu Gast.
